Die Eingewöhnung ist eine der wichtigsten Phasen im Leben eines Hundes. In diesen ersten Tagen und Wochen entscheidet sich, wie sicher, gelassen und vertrauensvoll dein Welpe seine neue Welt wahrnimmt. Ruhe, Struktur und eine klare, liebevolle Führung geben ihm das Fundament für ein ausgeglichenes, lernfreudiges und stabiles Hundeleben.
Ich empfehle, bereits vorab eine Transportbox anzuschaffen und diese für die Abholung zu nutzen. In die Box gehört:
•ein Teil, das nach Mama und Geschwistern riecht (wird von uns mitgegeben)
•eine weiche Decke oder ein kleines Kissen
Die Box sollte groß genug sein, dass sich der Hund darin umdrehen und bequem liegen kann. Sinnvoll ist es, gleich eine Box zu wählen, die auch im ausgewachsenen Alter passt. Damit sie für den kleinen Welpen nicht zu groß wirkt, kannst du sie anfangs mit einem größeren Kuscheltier oder einer zusammengerollten Decke verkleinern.
Es ist ganz normal, dass die Fahrt mit Winseln oder leiser Unruhe beginnt – darauf solltest du dich (und besonders Kinder) seelisch vorbereiten.
Wichtig:
•Ignoriere das Winseln so weit wie möglich
•kein Trösten, kein mitleidiges Zureden
•normale Gespräche führen
•leise Musik im Hintergrund kann beruhigend wirken
Von Zeit zu Zeit darfst du ruhig und sanft sagen:
„Es ist alles in Ordnung, wir bringen dich jetzt nach Hause.“
Wenn die Heimfahrt sehr lang ist, darf der Welpe natürlich auch auf dem Arm mitfahren – wichtig ist nur, dass er sich sicher und geborgen fühlt.
Die Fahrt sollte zu gelegentlichen Pinkelpausen unterbrochen werden. Der Welpe darf nur angeleint aus dem Auto gelassen werden.
Denk an:
•Hundekotbeutel
•etwas Wasser
•ein kleines Schälchen
•kein Futter anbieten
Futter wird unterwegs nicht angeboten.
Hier darf geschnuppert, ein bisschen geschmust und sich gelöst werden – aber ohne große Aufregung.
Zu Hause angekommen, sollte der Welpe zuerst in Ruhe:
•seine neue Umgebung
•sein neues „Rudel“
•seinen Liegeplatz
•seinen Löseplatz
kennenlernen dürfen.
Wichtig sind jetzt:
•Nähe zu den Bezugspersonen
•ruhige Ansprache
•kein Besucherandrang
Verwandte und Bekannte vertröstest du am besten auf ein paar Tage später. Überforderung in den ersten Stunden kann den Start unnötig stressig machen.
Die erste Nacht kann, muss aber nicht unbedingt, unruhig werden.
Ideal ist:
Die Transportbox/der Schlafplatz steht direkt neben deinem Bett.
Welpen vermeiden instinktiv, ihren Schlafplatz zu beschmutzen. Wenn dein Welpe nachts unruhig wird, ist das meist ein Zeichen, dass er „muss“.
Dann gilt:
•ruhig bleiben
•Welpen kommentarlos aufnehmen
•direkt zum Löseplatz tragen
•ankündigen: „Wir gehen Pipi machen.“
Keine Spiele, keine Action. Nur ruhig:
„Mach fein Pipi.“
Wenn es geklappt hat: leises Lob – und wieder zurück zum Schlafplatz.
So lernt dein Hund später sogar, auf Kommando sein Geschäft zu erledigen – ein großer Vorteil im Alltag und auf Reisen.
Die 5-Minuten-Regel
(siehe auch Ruhe lernen)
Im ersten Lebensjahr gilt:
Pro Lebensmonat und Spaziergang maximal 5 Minuten
Das schützt:
•Gelenke
•Wachstumsfugen
•das Nervensystem
Längere Touren erst ab dem zweiten Lebensjahr, wenn Körper und Bewegungsapparat ausgereifter sind.
Sanfte Sozialisierung – Die Welt in kleinen Dosen
Nicht die Menge der Eindrücke zählt, sondern ihre Qualität.
Dein Welpe darf in Ruhe kennenlernen:
•verschiedene Untergründe (Gras, Kies, Holz, Fliesen, Sand)
•Geräusche (Staubsauger, Straßenlärm, Fernseher – leise und dosiert)
•Menschen (Kinder, Erwachsene, Menschen mit Hüten, Fahrrädern oder Rollern)
Jede Erfahrung sollte neutral oder positiv enden.
Lieber kurz und gut – als lang und stressig.
Erste Ausflüge – Bewegung mit Maß
In den ersten Tagen reichen:
•der Garten
•die direkte Umgebung
An Straßen immer angeleint.
Sobald dein Welpe Vertrauen zu dir hat, darf er in sicherem Gelände auch freilaufen. Der natürliche Folgetrieb sorgt dafür, dass er den Anschluss an sein „Rudel“ nicht verlieren möchte.
Achtung: Nur bis zum Eintritt der Pubertät! Ab dann ausschließlich angeleint mit Schleppleine. Die Schleppleine muss immer festgehalten werden!
Alleinsein sanft üben
Schon früh kleine Momente einbauen:
•kurz den Raum verlassen
•Tür schließen
•wiederkommen, ohne großes Begrüßen
So lernt dein Welpe:
Alleinsein ist normal. Ich bin sicher.
🐾 Klare Regeln – Von Anfang an
Erstelle direkt eine Familienliste:
•Wer ist Hauptbezugsperson?
•Was ist absolut tabu?
•Was ist erlaubt – auch wenn andere es anders sehen?
Diese Regeln gelten ab dem ersten Tag. Keine Schonfrist – nur klare, ruhige Konsequenz.
Beispiel Sofa:
Erst erlaubt, wenn der Hund gelernt hat, auf Signal auch wieder runterzugehen. Der Mensch entscheidet – nicht der Hund.
🐾 Kleine Unternehmungen
Stadtgänge oder Cafébesuche:
Maximal 20 Minuten.
Beobachten, nicht überfordern.
🐾 Impulskontrolle im Alltag
Übe kleine Pausen:
•vor dem Füttern kurz sitzen
•an der Tür kurz warten
•Blickkontakt statt losstürmen
Diese Mini-Rituale stärken die innere Ruhe deines Hundes.
🐾 Körpersprache lesen lernen
Dein Welpe spricht ständig:
•Gähnen, Wegschauen → „Mir ist das zu viel“
•Umherlaufen → „Ich finde keine Ruhe“
•Einfrieren → „Ich bin unsicher“
Wenn du diese Signale respektierst, entsteht echtes Vertrauen.
Tipps:
Geben Sie Ihrem Hund im Welpenalter nur ein Kommando, wenn er auch in der Lage ist, es auszuführen.
Beugt man sich von oben über den Welpen, empfindet er dies oft als Bedrohung. Lieber in die Hocke gehen, z.B. auch beim Halsband anlegen.
Rufe deinen Welpen möglichst oft:
•in die Hocke gehen
•klatschen
•hohe, fröhliche Stimme
•überschwängliches Lob
•kleines Leckerli
Im Zweifel lieber hingehen und abholen, statt ein Kommando zu geben, das er nicht ausführen kann.
Machen Sie Hally Gully, Action ist angesagt. Klatschen Sie in die Hände, rudern Sie mit den Armen. Wenn er kommt, immer überschwänglich loben und zu am Anfang mit einem Leckerli belohnen. In zunehmendem Alter sollte dann Lob ausreichend sein.
•Ohren anschauen
•Maul öffnen
•Pfoten anfassen
•sanftes Bürsten
So wird dein Hund später stressfrei beim Tierarzt und bei der Pflege.
Pro Tipp: Einige Tage nach dem Einzug sollten Sie den ersten Tierarztbesuch planen. Nur zum Kennenlernen, ohne Behandlung. So verbindet der Welpe den Tierarzt nicht von vornherein mit etwas Negativem.
Die Eingewöhnung ist keine Trainingsphase.
Sie ist eine Bindungsphase.
Alles, was dein Welpe jetzt über die Welt lernt, trägt er ein Leben lang in sich.
Mit Ruhe, Klarheit und liebevoller Begleitung schenkst du ihm das schönste Geschenk:
Sicherheit. Vertrauen. Verbindung.