Verhalten, Entwicklung und gesunde Bewegung im ersten Lebensjahr
Der Australian Shepherd ist bekannt für seine Intelligenz, seine Arbeitsfreude und seine enge Bindung zum Menschen. Diese Eigenschaften machen ihn zu einem wunderbaren Begleiter – bringen aber auch eine große Verantwortung mit sich. Einer der häufigsten Fehler im Alltag mit einem Aussie ist es, Aktivität zu fördern, bevor Ruhe gelernt wird.
Dabei ist Ruhe keine angeborene Eigenschaft. Sie ist ein Lernprozess – und eine der wichtigsten Grundlagen für einen ausgeglichenen, gesunden und langfristig belastbaren Hund.
Der Ruhebedarf wird oft unterschätzt. Dabei ist Schlaf und Entspannung entscheidend für die körperliche Entwicklung, das Lernen und die Reizverarbeitung.
Richtwerte:
•Welpen: ca. 20–22 Stunden Ruhe pro Tag
•Junghunde: ca. 18–20 Stunden
•Erwachsene Hunde: ca. 17–18 Stunden
•Alte oder kranke Hunde: ca. 20–22 Stunden
Ruhe bedeutet nicht nur Schlaf, sondern auch entspanntes Liegen ohne Reize, Spiel oder Training.
Der Mythos vom „hyperaktiven Aussie“
Ein Australian Shepherd wird nicht als unruhiger Dauerläufer geboren. In vielen Fällen wird er dazu gemacht – durch ständige Reize, permanente Beschäftigung und das Gefühl, immer „funktionieren“ zu müssen.
Welpen lernen schnell:
„Wenn ich wach bin, passiert etwas.“
Das führt dazu, dass sie kaum noch abschalten können, ständig Aufmerksamkeit einfordern und innerlich unter Spannung stehen.
Ein ausgeglichener Aussie ist nicht der Hund, der am meisten läuft, sondern der, der gelernt hat, zwischen Aktivität und Entspannung zu wechseln.
Der Körper eines Welpen befindet sich stetig im Wachstum. Besonders empfindlich sind in dieser Phase die sogenannten Wachstumsfugen (Epiphysen) – weiche Knorpelzonen an den langen Knochen, die erst im Laufe der Monate vollständig verknöchern.
Zu hohe oder falsche Belastung in dieser Zeit kann langfristig zu:
•Fehlstellungen
•Gelenkproblemen
•frühzeitigem Verschleiß
•erhöhter Arthrose-Gefahr
führen.
Deshalb ist nicht nur wichtig, wie viel sich ein Hund bewegt – sondern auch wie.
Gerade beim Australian Shepherd ist der Kopf oft schneller müde als der Körper. Ein paar Minuten konzentrierte Denkarbeit können anstrengender sein als ein langer Spaziergang.
Geeignet sind:
•kleine Suchspiele im Haus oder Garten
•ruhiges Training von Alltagssituationen
•Impulskontrolle und Wartesignale
•einfache Trickarbeit
Das fördert die Bindung, stärkt die Konzentration und schont den Körper.
Was mit „Stoßbewegungen“ gemeint ist
Stoßbewegungen sind ruckartige, abrupte Belastungen für den Bewegungsapparat. Sie entstehen vor allem dann, wenn der Hund plötzlich beschleunigt, stark abbremst oder aus dem Stand springt.
Warum das problematisch ist
Bei jedem harten Abbremsen oder Aufkommen wirken starke Kräfte auf Gelenke, Knochen und insbesondere auf die noch weichen Wachstumsfugen. Wiederholen sich diese Belastungen regelmäßig, kann das die Entwicklung negativ beeinflussen und langfristige Schäden begünstigen.
Geeignet sind:
•Spaziergänge auf weichem, natürlichem Untergrund
•freies Erkunden im eigenen Tempo
•ruhige Nasenarbeit und Suchspiele
•kurze, kontrollierte Trainingseinheiten im Alltag
Vorsichtig sein bei:
•langen Wanderungen
•Treppensteigen (bis ca. 9–12 Monate möglichst vermeiden oder tragen)
•Joggen und Fahrradfahren (frühestens ab 12–15 Monaten, langsam aufbauen)
•Sprüngen und rutschigem Untergrund, insbesondere aus der Höhe (Bett; Couch; Auto)
•Stoßbewegungen (Ball; Frisbee; Stöckchen)
Ruhe entsteht nicht einfach von allein – sie wird angeleitet, begleitet und gefestigt. Gerade beim Australian Shepherd, der sehr aufmerksam auf seine Umwelt und seine Menschen reagiert, braucht es klare Strukturen und sanfte Führung.
Den richtigen Rahmen schaffen
Ein Hund kann nur dann entspannen, wenn seine Umgebung Sicherheit vermittelt.
Ein fester Ruheplatz:
Dein Hund sollte einen festen Ort haben, an dem nichts von ihm erwartet wird. Das kann ein Körbchen, eine Decke oder eine offene Box sein. Wichtig ist:
•ruhig gelegen
•nicht im Durchgangsbereich
•positiv verknüpft durch Futter, Kausnacks oder ruhige Nähe
Der Ruheplatz ist kein „Abstellort“, sondern ein geschützter Rückzugsraum.
Rituale statt Zufall
Hunde profitieren enorm von Vorhersehbarkeit. Feste Abläufe helfen dem Nervensystem, in den Entspannungsmodus zu wechseln.
Bewährte Ruhe-Rituale:
•Nach jedem Spaziergang folgt eine Pause
•Nach Spiel oder Training geht es bewusst auf den Ruheplatz
•Abends immer der gleiche Ablauf (kurzer Gang, Wasser, Ruhe)
So lernt dein Hund:
Aktivität endet – Entspannung beginnt.
Reize bewusst reduzieren
Ein Hund kann nicht entspannen, wenn um ihn herum ständig etwas passiert.
Hilfreich sind:
•leiser oder ausgeschalteter Fernseher
•keine wilden Spiele im Ruhebereich
•klare Regeln für Kinder: Hund auf dem Platz wird nicht angesprochen oder angefasst
Wenn dein Hund nicht von selbst abschalten kann
Manche Hunde sind so reizoffen, dass sie Hilfe brauchen, um in die Ruhe zu finden.
Sanfte Unterstützung:
•Führe deinen Hund ruhig zu seinem Platz
•Sprich leise oder gar nicht
•Gib ihm einen Kausnack oder eine Schleckmatte
•Bleibe selbst ruhig in Körpersprache und Bewegung
Ruhe wird nicht „verhandelt“, sondern angeboten und vorgelebt.
🐾 Impulskontrolle im Alltag fördern
Ein Hund, der gelernt hat zu warten, kann auch besser entspannen.
Kleine Übungen mit großer Wirkung:
•Vor dem Füttern kurz sitzen und warten
•An der Tür kurz innehalten, bevor es hinausgeht
•Blickkontakt halten, statt sofort loszulaufen
Diese Pausen stärken die innere Ruhe deines Hundes.
🐾 Struktur schafft Entspannung
Ein wichtiger Bestandteil von Ruhe ist Vorhersehbarkeit. Der Hund sollte lernen, dass nicht er entscheidet, wann gespielt, trainiert oder gelaufen wird – sondern sein Mensch.
Klare Abläufe helfen dabei:
•feste Ruhezeiten
•klare Spiel- und Trainingsphasen
•bewusste Pausen nach Aktivitäten
So wird Entspannung ein fester Bestandteil des Alltags – nicht nur eine Unterbrechung zwischen zwei Aktionen.
🐾 Unsere Zuchtphilosophie – Langsam wachsen, stark werden
In unserer Zucht legen wir großen Wert darauf, dass unsere Welpen nicht nur aktiv und neugierig, sondern auch ausgeglichen und entspannt aufwachsen dürfen. Ruhe, Sicherheit und Struktur sind für uns genauso wichtig wie Spiel, Lernen und Bewegung.
Denn unser Ziel ist nicht der möglichst schnelle, sondern der gesunde und stabile Weg ins Erwachsenenleben.
🐾 Ein Hund für viele Jahre
Wer seinem Australian Shepherd im ersten Jahr Zeit für Entwicklung, Pausen und kontrollierte Bewegung gibt, legt den Grundstein für ein langes, aktives und beschwerdefreies Hundeleben.
Manchmal ist der wichtigste Schritt nicht:
„Was können wir noch tun?“
sondern:
„Was dürfen wir heute einfach lassen?“